Unter der Brücke — Vroenhoven

Eine Brücke betrachtet man meistens von der Straße aus, die darüberführt. In Vroenhoven lohnt sich auch der Blick nach unten. Hier kommen ein moderner Entwurf, der Albertkanal und ein wichtiges Stück Kriegsgeschichte zusammen. Der Titel dieser Reportage verweist auf Onder de Brug, den Namen des Ortes.

Der heutige Entwurf stammt von Ney & Partners und wurde zwischen 2007 und 2011 umgesetzt. Die Brücke ist insgesamt 195 Meter lang und 18,5 Meter breit. Die erste Zahl bezeichnet die Gesamtlänge und nicht eine einzelne freie Spannweite. Das Mittelstück überspannt hundert Meter.

Der Neubau hing mit der Verbreiterung des Albertkanals für größere Schiffe zusammen. Eine Brücke ist hier Teil einer Schifffahrtsroute. Was auf der Straße großzügig wirkt, kann auf dem Wasser zum Engpass werden.

Der Bunker neben dem neuen Beton

Der historische Bunker an der Brücke blieb erhalten. Am 10. Mai 1940 gehörte Vroenhoven zusammen mit unter anderem Veldwezelt, Kanne und Eben-Emael zu den Zielen eines deutschen Überraschungsangriffs. Lastensegler brachten die Angreifer zu den Brücken und zum Fort. Das Besucherzentrum erzählt sowohl von diesem Kriegsbeginn als auch von der Binnenschifffahrt.

Die alte Brücke ging später im Krieg verloren. An diesem Ort sollte man den Angriff von 1940 und die Ereignisse rund um die Befreiung nicht zu einem einzigen Ereignis zusammenziehen. Bunker und Besucherzentrum zeigen, wie viel Geschichte hinter einer scheinbar gewöhnlichen Kanalquerung stecken kann.

Für die Fotos ist vor allem die Kombination reizvoll. Die Linien des neuen Bauwerks, die Größe des Kanals und das ältere Verteidigungswerk liegen dicht beieinander. Der Entwurf nimmt auf diese Umgebung Rücksicht. Er ist mehr als eine Fahrbahn, die zufällig über dem Wasser liegt.

Wer die Brücke nur benutzt, um ans andere Ufer zu fahren, ist schnell vorbei. Wer etwas länger bleibt, findet sowohl über als auch unter dem Brückendeck genug zu sehen.

Quellen und Hintergrund

Text und Fotografie: Marco Delnoij · EOSfoto

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