In Lüttich-Guillemins muss man nicht lange nach Linien suchen. Der Bahnhof von Santiago Calatrava ist voll davon. Bögen, Treppen und die Wiederholung des Tragwerks sorgen dafür, dass selbst ein vergleichsweise kleiner Gebäudeteil ein ganz anderes Foto ergeben kann.
Der neue Bahnhof wurde 2009 eröffnet. Calatrava entwarf eine große Überdachung aus Stahl und Glas über den Bahnsteigen. Statt einer klassischen Vorderfassade erhielt das Gebäude einen offenen Charakter, bei dem die Grenze zwischen innen und außen weniger eindeutig ist.
Der Entwurf verbindet auch zwei unterschiedliche Stadtteile auf beiden Seiten der Gleise. Das erklärt, weshalb man den Bahnhof nicht nur als Halle für abreisende Fahrgäste betrachten kann. Die Durchgänge und Ebenen sind Teil einer größeren städtischen Verbindung.
Die Wiederholung durchbrechen
Die Regelmäßigkeit der Konstruktion verführt dazu, nur eine symmetrische Übersicht aufzunehmen. Es lassen sich aber auch kleinere Bilder finden. Sich kreuzende Bögen, eine Treppe vor hellem Hintergrund oder ein Ausschnitt, in dem die Größenverhältnisse kurz unklar werden, zeigen jeweils eine andere Seite des Gebäudes.
Reisende gehören zum Bahnhof. Sie geben der Konstruktion einen Maßstab und zeigen, wofür das Gebäude gedacht ist. Gleichzeitig ist es ihr Durchgangsraum. Eine Kamera oder ein Stativ darf diese Funktion nicht behindern.
Die Regeln fürs Fotografieren sind differenzierter als ein allgemeines Verbot. Laut SNCB/NMBS ist für Aufnahmen mit professioneller Ausrüstung eine schriftliche Genehmigung nötig, auch bei privaten Projekten oder Studienprojekten. Für gewöhnliche, nicht gewerbliche Urlaubsfotos ohne professionelle Ausrüstung und mit einem Fahrschein gilt eine Ausnahme. Vor einer eigenen Fotosession sollte man die aktuellen Bedingungen bei SNCB/NMBS prüfen.
Hier bleibt die Aufmerksamkeit bei Guillemins: einem Gebäude, in dem Licht und Wiederholung einen leicht länger beschäftigen als die Wartezeit auf einen Zug.

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